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Telemedizinische Versorgung für Alten- und Pflegeheime im Landkreis Traunstein

Hintergrund

Die medizinische Versorgung von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen stellt insbesondere in ländlichen Regionen eine große Herausforderung dar. Häufig treten gesundheitliche Veränderungen, die zwar ärztlich abgeklärt werden müssen, jedoch keinen akuten Notfall darstellen. 

Gleichzeitig sind Hausärzte nicht jederzeit unmittelbar verfügbar, wodurch Pflegefachkräfte in solchen Situationen oftmals eigenständig Entscheidungen treffen müssen und aus Sicherheitsgründen nicht selten den Rettungsdienst alarmieren. Dies führt zu vermeidbaren Krankenhauseinweisungen und belastet sowohl die Bewohner als auch die Notfallversorgung.

Das Projekt

Um diese Versorgungslücke zu schließen, wurde das Pilotprojekt „Telemedizinische Versorgung für Alten- und Pflegeheime im Landkreis Traunstein“ initiiert.

Hierbei werden Pflegefachkräfte mit unserem MIA-System ausgestattet – einem Telemedizinrucksack mit Tablet und digitalen Messgeräten. Dadurch werden Pflegeeinrichtungen, Hausärzte und ein Telemedizinzentrum digital miteinander vernetzt.

Ziel des Projekts ist es, …

  • die hausärztliche Versorgung in Pflegeeinrichtungen zu verbessern
  • Krankenhaustransporte zu vermeiden
  • Pflegekräfte, Hausärzte und Rettungsdienste zu entlasten

Workflow des telemedizinischen Versorgungsprozesses

1. Ersteinschätzung einer gesundheitlichen Veränderung

Sobald eine Pflegefachkraft eine gesundheitliche Veränderung eines Bewohners feststellt, erfolgt zunächst eine strukturierte Ersteinschätzung mithilfe der Manchester-Triage. Liegt dabei kein akuter Notfall vor (Manchester-Triage 4 oder 5), wird der telemedizinische Workflow eingeleitet.

2. Erfassung und Übermittlung von Vitalparametern

Die Pflegefachkraft erhebt alle erforderlichen Vitalparameter mithilfe der Ausstattung des Telemedizinrucksacks. Dazu gehört unter anderem die Erfassung von Blutdruck, Blutzucker, Sauerstoffsättigung, Puls und Körpertemperatur. Je nach medizinischer Fragestellung können zusätzlich ein EKG aufgezeichnet oder Fotos, z.B. zur Beurteilung einer Wunde, erstellt werden.

Alle Informationen werden hierbei digital dokumentiert und mit einer kurzen Beschreibung der gesundheitlichen Situation an den zuständigen Hausarzt übermittelt. Zusätzlich wird die Hausarztpraxis telefonisch über die Anfrage informiert, um eine zeitnahe Bearbeitung sicherzustellen.

3. Ärztliche Rückmeldung durch den Hausarzt

Erfolgt innerhalb von 45 Minuten eine Rückmeldung des Hausarztes, wird das weitere Vorgehen telefonisch oder per Videokonsultation mit der Pflegefachkraft abgestimmt. Auf Grundlage der übermittelten Informationen kann der Hausarzt beispielsweise eine Medikamentenanpassung empfehlen, weitere Beobachtungen veranlassen oder einen persönlichen Hausbesuch einplanen.

4. Einbindung des Telemedizinzentrums

Bleibt innerhalb des definierten Zeitfensters eine Rückmeldung des Hausarztes aus, wird automatisch das Telemedizinzentrum eingebunden. Dort erfolgt innerhalb von 15 Minuten eine ärztliche Einschätzung per Videokonsultation. So wird sichergestellt, dass die Pflegefachkräfte auch außerhalb der hausärztlichen Erreichbarkeit zeitnah eine medizinische Entscheidung erhalten.

5. Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen

Nach der ärztlichen Einschätzung setzt die Pflegefachkraft die empfohlenen Maßnahmen direkt im Pflegeheim um und dokumentiert diese. Ist eine weiterführende medizinische Versorgung erforderlich, werden der ärztliche Bereitschaftsdienst oder der Rettungsdienst hinzugezogen. Anschließend wird der Telemedizinrucksack wieder einsatzbereit gemacht, sodass er jederzeit für weitere Anwendungen zur Verfügung steht.

Mehrwert für alle Beteiligten

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der telemedizinische Versorgungsprozess einen Mehrwert für alle beteiligten Akteure bietet:

  • Für Bewohner bedeutet die Telemedizin eine schnellere ärztliche Einschätzung in ihrer vertrauten Umgebung ohne belastende Krankenhaustransporte.
  • Pflegefachkräfte profitieren von einer hohen Handlungssicherheit und klaren ärztlichen Entscheidungen sowie von einer Stärkung ihrer fachlichen Kompetenz.
  • Hausärzte erhalten alle relevanten medizinischen Informationen strukturiert und können auf dieser Grundlage schneller fundierte Entscheidungen treffen, ohne persönlich vor Ort sein zu müssen.
  • Rettungsdienste und Krankenhäuser werden entlastet, da unnötige Einsätze und stationäre Aufnahmen reduziert werden können.

Ergebnisse

Das Pilotprojekt zeigt, dass sich telemedizinische Prozesse erfolgreich in den Versorgungsalltag von Alten- und Pflegeheimen integrieren lassen. Bereits im ersten Projektjahr wurden mehr als 50 telemedizinische Fälle erfolgreich begleitet. Die Rückmeldungen der Pflegeeinrichtungen und Hausärzte fallen durchweg positiv aus.

Besonders hervorgehoben werden die schnellen Kommunikationswege, die einfache Integration in bestehende Arbeitsabläufe sowie die Möglichkeit, medizinische Entscheidungen frühzeitig und auf Grundlage von strukturierten Informationen zu treffen.

Ausblick

Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde die Laufzeit des Projektes um 8 Monate verlängert, um weitere Anwendungsfälle zu begleiten und zusätzliche Erkenntnisse für die wissenschaftliche Evaluation zu gewinnen. Ziel ist es, den telemedizinischen Versorgungsprozess weiter zu optimieren, damit dieser langfristig in den Versorgungsalltag von Pflegeeinrichtungen integriert werden kann.