Digitales Präventionsprogramm zur Behandlung von Adipositas
Im Projekt „Hausarztzentriertes Adipositas-Präventionsprogramm: Exercise & Nutrition” (HAPpEN) begleitete Curafida Hausärzte sowie Patienten als digitale Verlaufskontrolle in Form einer App.
Unsere Projektpartner
HAPpEN war ein gemeinsames Projekt der Universität Bayreuth und des ZTM in Zusammenarbeit mit verschiedenen medizinischen Partnern, darunter:
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Universität Bayreuth
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Gemeinschaftspraxis Oberlandärzte
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Praxis Matthias Olszewski & Kollegen – Fachärzte für Allgemeinmedizin
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Landärzte Kulmbacher Land – Allgemein- und Familienmedizin
Die Herausforderung
Adipositas wird häufig durch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung verursacht und stellt eine bedeutende gesundheitliche Herausforderung dar. Besonders im ländlichen Raum fehlt es jedoch an umfassenden Präventions- und Therapieangeboten. Um die Versorgungslücke zu schließen, wurde das digitale Programm HAPpEN (Hausarztzentriertes Adipositas Präventionsprogramm Exercise & Nutrition) ins Leben gerufen. Ziel ist es, Menschen mit Adipositas durch eine gezielte Kombination aus medizinischen Empfehlungen und digitalen Lösungen dabei zu unterstützen, ihre Gesundheit nachhaltig zu verbessern und ihre Lebensqualität zu steigern.
Die Studie
HAPpEN basiert auf einer wissenschaftlich begleiteten Pilotstudie, die 2024 erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Studie verfolgte das Ziel, evidenzbasierte Ernährungs- und Bewegungsleitlinien mit lebenspraktischen, soziologischen und sozialpsychologischen Komponenten zu kombinieren, um eine umfassende und zielgruppengerechte Versorgung zu bieten. Mit der HAPpEN-App konnten die Teilnehmenden Aufgaben verfolgen, ihre täglichen Gesundheitsdaten erfassen und wurden durch Videos bei der korrekten Ausführung von Übungen unterstützt. Hausärzt
nutzten die digital erfassten Daten, um individuell angepasste Trainings- und Ernährungsempfehlungen bereitzustellen.
Die Lösung
Das ZTM entwickelte in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth eine Erweiterung der bestehenden digitalen Plattform Curafida, die speziell auf die Anforderungen der Adipositasversorgung zugeschnitten ist. Die HAPpEN-App leitet die Patient
durch alle relevanten Schritte und stellt sicher, dass sie umfassend und zielgerichtet betreut werden. Über eine benutzerfreundliche Oberfläche können Teilnehmende:
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Ihre Aufgaben und Gesundheitsziele im Blick behalten
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Vitalparameter erfassen
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Tägliche Schritte erfassen
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Übungsvideos zur korrekten Ausführung nutzen
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Ihre Fortschritte mit ihren Hausärzten teilen
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An Sportkurse erinnern
Diese maßgeschneiderte digitale Komponente ermöglichte es den Teilnehmenden, auch außerhalb der Arztpraxis aktiv zu bleiben und ihre Gesundheitskompetenz im Umgang mit Adipositas zu stärken.
Zielgruppengerechte Versorgung und soziale Vernetzung
Die HAPpEN-App wurde gezielt an die Bedürfnisse der Adipositas-Patient
angepasst, basierend auf gesundheitswissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Phasen der Gesundheitsverhaltensänderung. Neben medizinischen Empfehlungen wurden auch Faktoren wie Motivation, soziale Netzwerke und Akzeptanz digitaler Medien berücksichtigt. Durch eine Analyse der Social-Media-Nutzungspraktiken und sozialen Netzwerke konnten unterstützende Strukturen für die Teilnehmenden geschaffen werden. Über ein Forum auf der HAPpen-Projektwebseite vernetzen sich die Patienten untereinander, um sich gegenseitig bei der Zielerreichung zu unterstützen.
Eine digitale Tagebuchfunktion ermöglichte den Patienten die Erfassung wichtiger Vitalparameter und individueller Lebensgewohnheiten. Unter der Leitung ihrer Hausärzten passten die Teilnehmenden ihre Trainings- und Ernährungseinheiten individuell an. Diese partizipative Herangehensweise stärkte nicht nur die Eigenverantwortung, sondern ermöglichte es den Patienten, ihre Therapie aktiv mitzugestalten und Erfolge unmittelbar zu verfolgen.
Ergebnisse und Erkenntnisse
Die HAPpEN-Studie lieferte wertvolle Einblicke in die Wirksamkeit und Nutzererfahrungen des Programms.
Intensive Nutzung des Trainingsmoduls
Das Trainingsmodul wurde besonders positiv wahrgenommen und intensiv genutzt. Die hohe Nutzung zeigt, dass dieses Modul gut auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden und Therapeuten abgestimmt ist und eine zentrale Rolle in der Therapie einnimmt.
Erfolg der Bewegungstherapie
Die regelmäßige Teilnahme an Bewegungseinheiten führte zu positiven Effekten, darunter eine gesteigerte körperliche Fitness, eine Reduktion des Körpergewichts und eine verbesserte Lebensqualität.
Erfolg der Bewegungstherapie
Die unkomplizierte Nutzung der App und die Möglichkeit zur sozialen Interaktion wurden von den Teilnehmenden als sehr positiv wahrgenommen, was die Motivation zur regelmäßigen Nutzung unterstützte.
Lernpotenzial im Bereich der Schulungen und Unterstützung
Die unterschiedlichen Nutzungsweisen der Therapeuten deuteten darauf hin, dass erweiterte Schulungen und Handbücher für spezifische App-Funktionen wie Chat und Notizen hilfreich gewesen wären, um die Nutzung noch konsistenter zu gestalten. Diese Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung zukünftiger Programme ein, um eine einheitliche Nutzung sicherzustellen.
Individuelle Anpassung der Übungen
Die Rückmeldungen zeigten, dass die Anforderungen an die Übungen individuell variierten. Einige Teilnehmende empfanden die Übungen als zu leicht, andere als zu anspruchsvoll. Diese Rückmeldung bietet Anreize für die weitere Anpassung des Trainingsmoduls an unterschiedliche Fitnesslevel.
Integration in den Alltag und Motivation
Einige Teilnehmende berichteten von Herausforderungen bei der Integration der Übungen in ihren Alltag und fehlender intrinsischer Motivation. Künftige Projekte könnten hier gezielt mit alltagsnahen Ansätzen und zusätzlichen Motivationsstrategien unterstützen.
Technische Optimierungen
Die App bot ein umfangreiches Funktionsspektrum, das die Teilnehmenden zu schätzen wussten, doch führten technische Schwierigkeiten teilweise zu Frustration und Demotivation. Diese Rückmeldung hilft, technische Stabilität und Benutzerfreundlichkeit weiter zu verbessern.
Fazit
Mit HAPpEN wurde ein umfassendes, digitales Präventionsprogramm geschaffen, das die spezifischen Bedürfnisse von Adipositas-Patient
adressiert und sie in ihrem Alltag unterstützt. Die Kombination aus wissenschaftlich fundierten Inhalten, digitaler Begleitung und sozialer Vernetzung förderte nicht nur die Gesundheitskompetenz der Teilnehmenden, sondern stärkte auch ihre Motivation zur langfristigen Verhaltensänderung. Die positiven Rückmeldungen und der Erfolg der Pilotstudie legen den Grundstein für eine weitere Implementierung in der Adipositasversorgung.