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KI-Assistenten im Rettungsdienst
Hintergrund und Herausforderung
Notfallsanitäter, Rettungssanitäter sowie Rettungshelfer stehen häufig vor Fragen, die schnell und zugleich verlässlich beantwortet werden müssen: In welcher Dosierung werden Medikamente verabreicht? Gibt es Kontraindikationen bei bestimmten Vorerkrankungen? Wie ist ein Perfusor exakt einzustellen? Grundlage für solche Entscheidungen sind zahlreiche Regelwerke – von der Roten Liste über Landesrecht und Gesetze bis hin zu Leitlinien und den Standardarbeitsanweisungen und Behandlungspfade Rettungsdienst Baden-Württemberg (SAA/BPR BW). Diese Fülle schnell und zuverlässig zu durchsuchen, ist in der Praxis kaum leistbar. Oft werden in der Folge Google und ChatGPT konsoltiert, deren Antworten aber nicht immer korrekt sind.
Auch Auszubildende zum Notfallsanitäter (NFSA) stehen vor einer vergleichbaren Herausforderung: Rechtliche Grundlagen wie die Rettungsdienstplan-Verordnung Baden-Württemberg, das Landeskatastrophenschutzgesetz oder Konzepte wie das Massenanfall von Verletzten -Konzept (MANV-Konzept) sind komplex und in der Prüfungsvorbereitung nicht immer leicht zu durchdringen.
Hier setzt der KI-Assistent des DRK Ludwigsburg an, umgesetzt auf Basis von Buddy: Zwei qualitätsgesicherte Assistenten unterstützen gezielt unterschiedliche Zielgruppen – ein Assistent für Fachkräfte (NFS, RS, RH) für die Vor- und Nachbereitung eines Einsatzes, sowie ein Assistent für Auszubildende (NFSA) zur Prüfungsvorbereitung.

Nutzen für Anwender
Beide Assistenten greifen auf dieselbe qualitätsgesicherte Wissensbasis zurück:
- Rote Liste
- Landesrecht Baden-Württemberg
- Gesetze
- Leitlinien
- SAA/BPR BW 2025 inklusive Supplement
Weil die Antworten auf diesem geprüften Fachwissen beruhen und nicht auf ungesicherten KI-Quellen, können sich Mitarbeitende auf die Aussagen verlassen – ein entscheidender Unterschied zu klassischen, frei generierenden KI-Systemen.
Assistent für Fachkräfte (NFS, RS, RH)
Der Assistent unterstützt Fachkräfte in der Vor- und Nachbereitung bei konkreten fachlichen Fragestellungen aus dem Einsatzalltag, zum Beispiel:
- „Ich möchte einem Patienten Fentanyl geben. Er ist männlich, 78 Jahre alt und 90 kg schwer. Was muss ich beachten?“
- „Kann ich bei Myasthenia gravis Atropin geben?“
- „Wie soll ich einen Adrenalinperfusor einstellen, der bei einem 70 kg schweren Patienten mit einer Rate von 1 Mikrogramm/kg/min laufen soll?“
Fachkräfte profitieren von:
- Schneller, fundierter Beantwortung fachlicher Detailfragen
- Verlässlichkeit durch ausschließlich qualitätsgesicherte Quellen
- Zeitersparnis gegenüber dem manuellen Nachschlagen in mehreren Regelwerken
- Erhöhter Sicherheit bei Dosierungs-, Kontraindikations- und Anwendungsfragen, wobei der Assistent keine Berechnungen durchführen darf, sondern nur Hinweise zur Berechnung aus den Regelwerken wiedergibt.

Assistent für Auszubildende (NFSA)
Der zweite Assistent unterstützt Auszubildende gezielt beim Lernen und bei der Prüfungsvorbereitung, etwa bei Fragen wie:
- „Notfallkategorien in der Rettungsdienstplan-Verordnung BaWü – hat das was mit der AAO zu tun?“
- „Im Anwendungsfall des Landeskatastrophenschutzgesetzes wirken auf Anforderung der Katastrophenschutzbehörde der Leitende Notarzt sowie die Organisatorische Leitung Rettungsdienst nach Maßgabe dieses Gesetzes mit. Erkläre mir, was damit gemeint ist.“
- „Erkläre mir die wesentlichen Punkte des MANV-Konzeptes in Ludwigsburg.“
Auszubildende profitieren von:
- Verständlichen Erklärungen komplexer rechtlicher und organisatorischer Zusammenhänge
- Individuellem, zeit- und ortsunabhängigem Lernen
- Gezielter Vorbereitung auf die Prüfung mit geprüften Inhalten
- Einem niedrigschwelligen Zugang zu Wissen, das sonst über viele Einzeldokumente verteilt ist

Technische Integration
Die Implementierung wurde bewusst einfach gehalten, um eine niederschwellige Nutzung im Arbeitsalltag zu ermöglichen:
- Mitarbeitende greifen über einen Link direkt auf den jeweils passenden Assistenten zu.
- Beide Assistenten sind webbasiert und auf verschiedenen Endgeräten nutzbar.
- Die Wissensbasis ist per Retrieval Augmented Generation (RAG) angebunden, sodass Antworten stets auf den hinterlegten, qualitätsgesicherten Dokumenten beruhen.
- Die Implementierung berücksichtigt aktuelle Datenschutzrichtlinien und gewährleistet den sicheren Umgang mit Nutzerdaten.
Damit wurde eine Lösung geschaffen, die sowohl Fachkräfte im Einsatzalltag als auch Auszubildende in der Prüfungsvorbereitung dort abholt, wo sie Unterstützung benötigen.
Zukunftsperspektiven und Weiterentwicklung
Aufbauend auf der bestehenden, qualitätsgesicherten Wissensbasis plant das DRK Ludwigsburg die Entwicklung eines weiteren Assistenten zur Unterstützung bei der Vorbereitung von Schulungen. Dieser soll Fachwissen künftig direkt in Schulungsmaterialien überführen können, beispielsweise durch die automatisierte Erstellung von Schulungsfolien als PowerPoint-Präsentation.
Langfristig entsteht so aus einer einzigen geprüften Wissensbasis ein durchgängiges System, das Fachkräfte im Einsatz unterstützt, Auszubildende beim Lernen begleitet und Ausbilder bei der Schulungsvorbereitung entlastet.